Strategien gegen Desinformation

Wie gehe ich mit Situationen um, in denen mit Falschinformationen Stimmung gemacht wird? Sei es Online beim Verfassen von Kommentaren als auch im direkten Gespräch mit Menschen? Anbei ein paar Hintergrundinformationen zu dem Thema, die dir vielleicht helfen können:

Stärkung der eigenen Argumentationslinie

Da sich der reaktive Umgang mit Desinformation häufig als schwierig erweist, ist eine proaktive Herangehensweise vorzuziehen. Die Gegenerzählung bildet dabei meist ein notwendiges Werkzeug, deren Kontext zu Beginn definiert wird („setting the frame”). Diese Gegenerzählung muss nicht notwendigerweise von Gegenargumenten geprägt sein. Eingeständnisse können sich durchaus als nützlich erweisen. Hilfreich ist auch die eigene Position durch Statistiken, Zahlen und Fakten zu untermauern. Dabei ist vor allem fundiertes Wissen und eine gesicherte Faktenbasis wichtig, um die eigene Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Hier können Zusatz-Recherchen notwendig sein. Auch paradoxe Interventionen stärken die eigene Argumentationslinie. Dabei wird Desinformation
durch das Aufzeigen ihrer Absurdität demaskiert. Wichtig dabei ist, den Stil der Demaskierung auf das Medium anzupassen. So kann eine Überhöhung auf eigenen Verbreitungskanälen, wie Newslettern passend sein, aber auf Social Media-Kanälen heftige Diskussionen auslösen und zu emotional-polemischen Debatten führen.

Beantwortung der Frage nach den Ursprüngen einer Maßnahme

Gutes Storytelling soll positive Motive (Sicherheit, Freiheit, Schutz der BürgerInnen...) sowie Ziele darstellen und damit die zentrale Frage nach dem “Warum” einer Maßnahme beantworten. Ein positives Bild lässt sich oftmals erst dann zeichnen, wenn dargelegt wird, welche Idee oder Problemstellung hinter einer Maßnahme steckt. Unterstützt wird dieses Bild auch durch das Aufzeigen von Alternativen. Nationale oder fehlende Regulierung mit all ihren Konsequenzen bilden meist negative Alternativen zu einer europäischen Regelung. Von EU-Maßnahmen sind häufig nur bestimmte Gruppen betroffen. Dieser Umstand soll im EU-Storytelling genauso Berücksichtigung finden wie die Frage, wo die tatsächliche Entscheidungsmacht lag. Storys müssen sich von dem Pauschalhinweis „Die EU” wegbewegen, um zu einer differenzierteren Erzählung zu gelangen.

Emotionalisierung

Emotionalisierung weckt Gefühle und stärkt Identifizierungsprozesse, wenn sie gezielt und nicht inflationär eingesetzt wird. Tatsächliche Lebensrealitäten, alltägliche Beispiele, persönliche Erlebnisse und Vorteile durch bestimmte EU-Regelungen werden wiedergegeben, um die eigene Glaubwürdigkeit zu stärken. Emotionalisierung im European Storytelling basiert auf dem Gedanken emotionalen Argumenten nicht mit Zahlen, Daten und Fakten kontern zu können. Dem Gegenüber muss auf derselben Erzählebene begegnet werden, um nicht aneinander vorbei zu kommunizieren. Da Emotionalisierung vor allem auf Bildsprache basiert, sind Illustrationen, Gifs, Kurzvideos und Fotos geeignete Kommunikationsmittel.

Deeskalation

Um in einer kontroversen Debatte deeskalierend wirken zu können, sollten Hintergründe bekannt sein. Ist dies nicht der Fall muss nachgefragt werden, um die Aufregung über ein bestimmtes Thema nachvollziehen zu können. Glaubwürdiges Kommunizieren basiert auf Erklärungen, die zugleich aufkommende Kritik relativieren können. Das gelingt allerdings nur, wenn auf Augenhöhe und lösungsorientiert kommuniziert wird. Um erfolgreich zu sein, ist es essentiell die eigene Zielgruppe zu kennen und auf diese abgestimmt Informationen aufzubereiten. Sprache, Informationshintergrund und Kultur sind Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt.

Abkehr von Komplexität

Der Erfolg von Desinformation liegt oftmals auch in der Vereinfachung komplexer Sachverhalte. Doch auch korrekte Information kann plakativ sein, kompakt aufbereitet werden und sich simplen Botschaften bedienen. Dabei ist es hilfreich, vorab in internen Abstimmungen Begrifflichkeiten für prägnante Botschaften zu definieren.

“Dagegen sein” motiviert und aktiviert

Auch gegen etwas zu sein, kann Teil eines positiven European Storytellings sein. So können sich Akteure beispielsweise gegen Armut oder Nationalismen aussprechen und damit zugleich Menschen für positive Entwicklungen mobilisieren sowie Solidarität und Zusammenhalt stärken: Für die Bekämpfung von Armut in der EU und für die Europäische Idee. Dadurch bleibt gleichzeitig eine kritische Haltung gewahrt, die wiederum für Berichterstattung sorgt. Denn wenn für die Politik alles gut ist, schafft sie sich selbst ab.

Im Rahmen von Workshops haben wir mit verschiedenen Multiplikatoren an ihren Geschichten zu Europa gearbeitet. Dieses Raster diente als Leitfaden dazu. Die Workshops wurden von communication matters durchgeführt. Neben Strategien gegen Desinformation, war auch Storytelling Thema der Workshops. Die Ergebnisse aus diesem Bereich findet ihr hier.